ALTERNATIVER ECOFIN - Konferenz zur EU-Wirtschafts- und Finanzpolitik


Vortrag von Friedrich Hinterberger beim „alternativen ECOFIN“, Wien, 5.4.2006
www.alternativer-ecofin.org

Der Umweltraum der Erde ist begrenzt, der materielle Reichtum extrem ungleich verteilt. Ein sozialer und ökonomischer Ausgleich erfordert daher, den Ressourcenverbrauch vor allem in den reichen Teilen der Welt substantiell zu reduzieren. Damit dies nicht auf Kosten des Wohlstands geht, ist eine Erhöhung der Ressourcenproduktivität, oder „Ökoeffizienz“ erforderlich.
 
Öko-Effizienz alleine wird aber keine substantielle Reduktion von Ressourcenverbrauch, Emissionen und Abfällen bringen, wenn wirtschaftliches Wachstum (mit-verursacht durch Rebound-Effekte der Effizienzsteigerung selbst) Effizienzgewinne jedenfalls teilweise wieder "auffrißt". Mehr wirtschaftliche Aktivität – mehr Umweltverbrauch: Geld bewegt Natur.
 
Nach Ansicht vieler ÖkonomInnen und auch der Öffentlichkeit, gehört wirtschaftliches Wachstum aber zu den Grundvoraussetzungen unseres Wohlstandes, weil es einerseits die notwendigen Produkte und Dienstleistungen in immer größerer Zahl und besserer Qualität bereit stellt, andererseits Arbeitsplätze schafft.

Letzteres stimmt bei gegebener Produktivität : mehr zu produzieren erfordert mehr Arbeit(sstunden). Und weil die Produktivität steigt, werden für ein gegebenes Produktionsniveau immer weniger Arbeitskräfte gebraucht.

Andererseits ist es ein Ergebnis der wissenschaftlich fundierten Glücksforschung, dass "mehr Konsum" (von Produkten und Dienstleistungen) das Wohlbefinden („well-being“) derer, die schon relativ viel "haben" nicht mehr wirklich erhöht. Mehr Einkommen macht also nicht unbedingt glücklicher. Sind die Grundbedürfnisse einmal befriedigt, Zunehmend trägt auch die Freizeit (Zeit für Beziehungen, für Selbst-Verwirklichung und gesellschaftliches Engagement) zum Glück bei.

Vielmehr scheint die relative Position im Vergleich zu anderen und damit die "gerechte" Verteilung von Einkommen und Vermögen ein wichtiger Bestimmungsfaktor für das Glück zu sein. Ungleichheit ist andererseits eine wesentliche Triebfeder des immer mehr haben wollens und damit wirtschaftlichen Wachstums.
 
Wirtschaftswachstum wird aber – wie gesagt - bei gegebener durchschnittlicher Arbeitszeit gebraucht um "Arbeitsplätze" (Jobs) zu schaffen, was sich - siehe oben - negativ auf die Umwelt auswirkt.

Andererseits ist es weniger die Höhe des gegenwärtigen Bruttoinlandsprodukts als die gegenwärtige Verteilung von Arbeitsplätzen auf (relativ) wenige Erwerbstätige, die Arbeitslosigkeit verursacht, die (als Verteilungsproblem) wiederum als "ungerecht" empfunden wird.

Arbeitslosigkeit wirkt sich natürlich auch negativ auf das Glück der Menschen aus und verursacht auch einen Abbau von Humankapital (die Menschen „ent-lernen“) und auch von Sozialkapital (die für das Wirtschaften erforderlichen persönlichen Netzwerke, Beziehungen, sozialer Zusammenhalt in einer Gesellschaft).

Arbeitslosigkeit erhöht somit die gesellschaftliche Ineffizienz. Für eine Steigerung der gesamtgesellschaftlichen und damit auch wirtschaftlichen Effizienz (=Wettbewerbsfähigkeit) ist es notwendig, mehr Humankapital und mehr soziales Kapital zu „produzieren“. Dies erfordert von den Einzelnen Zeit : um sich zu bilden, Beziehungen zu pflegen etc....
 
Eine sinnvolle Möglichkeit das Glück in der (österr./dt./europ.) Gesellschaft zu erhöhen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen, ist es daher, "Arbeit umzuverteilen" (wobei sowohl die Erwerbs- als auch die Nicht-Erwerbsarbeit umzuverteilen wäre). Arbeit umzuverteilen heißt: weniger Erwerbsarbeit auf mehr Köpfe zu verteilen, Arbeit umzuverteilen heißt aber auch: mehr Zeit für Bildung, Beziehungen, Selbstverwirklichung, Erziehung und Pflege, gesellschaftliches Engagement, bei denen, die derzeit (mehr als) „full time“ arbeiten.

Weniger Erwerbsarbeit für den einzelnen bedeutet weniger Produktion und  Konsum im Markt und damit weniger Ressourcenverbrauch, womit sich der Kreis wieder schließt.

Für die Gesellschaft als ganzes bedeutet das:
weniger Umweltverbrauch,
mehr „well-being“,
mehr Arbeitsplätze in einem
wettbewerbsfähigeren Europa
zu schaffen.

Nachwort:
Eine positive Entwicklung in Richtung aller gesellschaftlich wichtiger Ziele (Win-win-win-win) scheint also möglich, wenn es im Übergang sicherlich auch „Verlierer“ gibt, vor allem bei denen, die sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen und persönlichen Voraussetzungen schlechter auf die neuen Anforderungen einstellen können.

Wichtig sind dabei eine größere Flexibilität auf Seiten aller Akteure bei gleichzeitig sozialer Absicherung und begleitende Hilfestellung für Unternehmen wie einzelner Menschen im bevorstehenden Strukturwandel.

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last update 05-Apr-2006